Freitag, 17. Juli 2009

Zusammenfassung

Schon seit fünf Tagen bin ich wieder zu Hause, habe eine Menge Leute wieder gesehen, die Sonne genossen und mich halbwegs wieder an Rechtsverkehr und die deutsche Tastatur gewöhnt, also wird es jetzt Zeit für meinen letzen Eintrag.

In einem Jahr ist viel passiert, ich habe mich in vielen Dingen verändert und viel Neues gelernt. Es war eine supertolle Erfahrung, natürlich nicht immer alles schön, aber insgesamt war es das echt wert. Ich habe vor allem über mich selbst und über das Leben viele Dinge gelernt! Hier ein paar davon:

Man kann ein Jahr leben ohne...
...Fön
...Arztbesuche
...Mineralwasser
...die eigene Familie
...vernünftige Nachrichten/ Zeitung
...einen eigenen Computer
...zum Friseur zu gehen
...deutsche Bücher
...Kerzen
...richtiges Brot
Auf manche Dinge konnte ich leichter verzichten, auf andere nur sehr schwer. Es ist gut zu wissen, dass es geht und man auch ohne den gewohnten "Luxus" eine gute Zeit haben kann!

In Australien und Neuseeland sind viele Dinge anders:
- der Mond steht auf dem Kopf
- die öffentlichen Toiletten riechen nicht nur nicht schlecht, sondern sogar sehr angenehm
- absolut jeder Nachtisch wird mit Eiscreme serviert
- Weihnachten feiert man eine Grillparty, im Juni braucht man drei Pullover (jedenfalls in Neuseeland)
- es gibt keine Heizungen und nur die "besseren" Häuser verfügen über kleine, elekrische und tragbare Heizkörper
- man trägt Fahrradhelme, wenn man zu den 10 Leuten in der Stadt gehört, die tatsächlich Fahrrad fahren
- beim Essen werden die sonst so entspannten Kiwis und Aussies sehr effizient: möglichst schnell wird alles vertilgt und z.B. beim Grillen wird erst alles fertig gemacht, damit man dann innerhalb von 10 Minuten alles auf einmal aufessen
- wie in allen westlichen Ländern außerhalb Europas besteht eine "Autokultur", man fährt also überall mit dem Auto hin
- wenn Leute dir stolz erzählen, dass sie ihren Müll trennen, kann man erwarten, eine Art gelben Sack zu haben, wo Plastikflaschen und Becher reinkommen, sowie eine große Tonne für alles andere (wie, Frischhaltefolie kann man recyceln?!)
- frag besser nicht nach dem Weg, denn die Menschen zeigen nicht in die richtige Richtung - stattdessen laufen sie die komplette Strecke mit dir, egal was sie gerade vorhatten, und geben dir unterwegs eine private Unterrichtsstunde zu Geschichte und Geografie der Umgebung
- Museen oder Kunstgalerien? Vielleicht mal in den Hauptstädten. Theater? Kann man an einer Hand abzählen. Musicals? Ach, gibt's das auch außerhalb des Broadways?
Einige dieser Dinge haben mich genervt, andere fand ich ganz wunderbar. Sooo unterschiedlich ist die Kultur nicht, es sind eher die Menschen die den Unterschied ausmachen. Über deren gute und schlechte Eigenschaften habe ich aber schon genug Einträge geschrieben.

Ich habe schlechte Erfahrungen gemacht (Callcenter, Vegemite, aufdringliche Typen) und gute Dinge entdeckt: L&P, Pavlova, Stir-Fry, Cookies&Cream, Gott, LLB, Vanille, asiatische Früchte, den tollsten Mann der Welt. Ja, das ist jetzt fast alles Essen, aber all die anderen Sachen sind irgendwie zu emotional verwickelt als dass ich die mit der Internet-Welt teilen möchte. Auf jeden Fall überwiegen die guten Sachen :-)

Einige andere, weniger tolle Dinge:
- Bananen-Muffins/ Kuchen
- Weißkohl
- Kaffee
- Dusche mit Spinnen (Höchstanzahl vier) und Geckos
- schlafen bei Licht und Lärm
- Leitungswasser
- sich selbst den Rücken mit Sonnencreme eincremen
- wochenlang aus einem Rucksack leben
- ein Jahr mit einer Jeans, einem Pullover und sechs Tops auskommen
All das ist nicht ideal, lecker oder schön, geht aber. Man arrangiert sich mit vielem, wenn man keine andere Wahl hat!

Charakterlich habe ich mich eh verändert, aber auch mein Geschmack ist jetzt anders. Ein paar Dinge, die ich früher nicht ausstehen konnte, finde ich jetzt ganz herrlich:
- Marmelade
- Zwiebeln
- salzige Butter
- Yoghurt
- Blau- und Brombeeren
- schwimmen

Gelernt habe ich natürlich auch ein paar Kleinigkeiten, wie zum Beispiel...
...kochen
...Geld verdienen
...Schichtarbeit und ungeregelte Tagesabläufe haben
...links fahren
...Leute ansprechen
...Gottvertrauen
...Spontanität
...reiten
...Geduld
...stark, aber auch weich sein
...Abenteuerlust
Die Liste kann man noch ewig fortsetzen. Was ich alles gesehen habe, schreibe ich gar nicht auf, weil das diesen Eintrag wirklich sprengen würde.

Fazit: Mein Jahr war genau so, wie ich mir erhofft hatte und doch ganz anders. Ich habe total davon profitiert und meine Zeit so sehr genossen wie noch nie. Diese Entscheidung würde ich jederzeit wieder treffen und ich kann es jedem empfehlen - es ist schon einzigartig, ein Jahr alleine durch die Welt zu reisen.

Samstag, 11. Juli 2009

Farbenfroher Kulturmix

Singapur ist die tollste Stadt, die ich in meinem Reisejahr besucht habe. In Australien und Neuseeland habe ich bewusst wenig Zeit in den grossen Staedten verbracht, weil ich ja fuer die Landschaft da war, aber Metropolen wie Sydney oder Auckland konnten mich nicht richtig fesseln. Singapur hingegen ist ganz anders: Die Stadt ist zwar gross und international, hat aber trotzdem einen Charakter, der so vielfaeltig und interessant ist dass ich mich glatt in diesen Ort verliebt habe.
Was mir schon am ersten richtigen Tag hier auffiel, war das lebhafte Treiben, was die Stadt dominiert. Es gibt viele verschiedene Kulturen hier und ich finde es richtig schoen, in der Minderheit zu sein, als Weisse, als Touristin, als aufgeregt-alles-in-sich-aufsaugende-Backpackerin. Die Menschen gehen ihren Alltagsgeschaeften nach, tun das aber nicht hektisch, sondern scheinen sich tatsaechlich bewusst zu sein, dass auch der normale Alltag einen Teil ihres kostbaren Lebens darstellt.
Ich war am Mittwoch in der markendominierten Innenstadt und in Chinatown, am Donnerstag verbrachte ich den ganzen Tag in Little India und Freitag besuchte ich die "Ferieninsel" Sentosa. Sowohl die riesigen Shoppingkomplexe, wo man absolut alles findet was teuer ist, als auch die engen Gassen voller Billigwaren-Staende im farbenfrohen Little India faszinieren mich. Es gibt keinen Ort hier, an dem ich mich nicht gerne aufhalte, weil ueberall was passiert. Die verschiedenen Kulturen und Religionen leben erstaunlich tolerant nebeneinander, es gibt hier keine rassengetrennten Viertel, stattdessen stehen Tempel, Moscheen und Kirchen direkt nebeneinander. Die Einwohner ermuntern einen, alles zu fotografieren, fragen einen ob man Hilfe braucht, sobald man mehr als zwei Sekunden mit einer Strassenkarte in der Hand da steht, und spruehen nur so vor Charme, wenn du ihnen als potentieller Kaeufer erscheinst.
Das Beste von allem ist das Essen. Fuer hoechstens halb so viel Geld wie in Deutschland oder Australien kann man in einem der unzaehligen Strassenrestaurants ausgezeichnet und viel essen. Die indische Kueche ist ja schon seit langem mein spezieller Liebling, aber jetzt habe ich auch die chinesische und indonesische entdeckt. Nachdem ich dummerweise in Australien jede Gelegenheit verpasst habe, Krokodil- oder Kaenguruhfleisch zu essen, bin ich jetzt fest entschlossen, alles zu probieren, egal wie es klingt oder aussieht, und wurde fuer diesen Entschluss schon reich belohnt. Mittwoch habe ich im Rotlichtviertel Singapurs gemeinsam mit Markus (ich wohne bei ihm, seiner Frau Jana und ihren Kiindern Natalie (3) und Michael (1), eine supernette Familie) Beefnudeln, irgendwelche gruenen Sprossen, Rippchen in Kaffeesauce und Froschschenkel gegessen und konnte mich nicht entscheiden, was ich am liebsten mochte. Die meist undefinierbaren Saucen, die als Beilage zum obligatorischen Reis kommen, schmecken eine besser als die andere. Ausserdem bin ich ein besonderer Fan geworden von Fruechten wie Rambutan und Mangosteen, die das selbe milchig-durchsichtige und wabbelige Fruchtfleisch haben wie Litschi, von dessem puren Anblick ich mich vor einem Jahr angeekelt abgewendet haette.
Das Erlebnis Asien reizt mich sehr - meine naechste grosse Reise wird hoffentlich durch Indien, Thailand, Indonesien, Malaysia und vielleicht China gehen. Grossartiges Essen und eine so bunte und lebendige Kultur - nichts gegen Europa, aber von einigen Dingen koennten wir uns eine Scheibe abschneiden.

Die letzten Tage waren also gefuellt mit shoppen, entdecken und schwitzen - die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch und 30 Grad bin ich als Norddeutsche ja nicht gerade gewoehnt ;-) Mit der Familie, in der ich hier wohne, habe ich einen echten Gluecksgriff gelandet und nette, multinationale Gesellschaft (Natalie spricht mit 3 Jahren bereits vier Sprachen). Das ist der beste Abschluss, den ich mir haette wuenschen koennen!
Ich bin jetzt sehr aufgeregt in Gedanken ans Zurueckkommen. Hauptsaechlich freue ich mich, aber ich habe auch ein bisschen Angst, wie alles so werden wird. Hoffentlich passe ich mit meiner veraenderten Persoenlichkeit wieder in mein altes Leben rein! Auf Familie und Freunde freue ich mich aber so oder so. Kaum zu glauben, dass es nur noch zwei Tage sind... Ich fange schon an schlecht zu schlafen. Das ist doch aufregender, als ich gedacht haette!

Dienstag, 7. Juli 2009

Der letzte Bericht aus Australien

Meine letzten Tage hier waren schoen, entspannend und relativ unspektakulaer. Letzten Donnerstag bin ich mit dem Zug von Alice Springs nach Darwin gefahren, 24 Stunden durchs Outback waren schon ein Erlebnis. Habt ihr schon mal in einem Zug geduscht? Ganz schoen lustig, ich finde die sollten das auch in Flugzeugen einfuehren!

Darwin ist eine eher langweilige Stadt mit dem Vorteil, dass das Wetter ganzjaehrig wunderbar ist. Im Moment sind es tagsueber etwa 30 Grad, nachts immer noch gute 25, Sonnenschein selbstverstaendlich ebenfalls (tags, nicht nachts). Vom tropischen Klima bin ich allerdings nicht so sehr begeistert, weil ich es gar nicht mag, wenn die Luftfeuchtigkeit die Haut so klebrig werden laesst. Duschen macht fast keinen Sinn mehr! Ausserdem verstehe ich nicht, warum Menschen an einem Ort leben wollen, an dem man wegen Krokodilen, Haien und Quallen weder im Meer noch in Seen schwimmen kann, und der eine Haelfte des Jahres komplett ausgetrocknet und die andere Haelfte staendig von Flut bedroht ist. Ein paar Tage in der Waerme sind schoen, aber mehr als eine Touristin moechte ich hier auch nicht sein.
Gestern habe ich diese Rolle ausgefuellt und eine Tagestour in den Litchfield National Park unternommen, inklusive der "Jumping Crocodile Cruise", bei der Krokodile gefuettert wurden fuer die Kameras der im Boot sitzenden Touris. Das war alles ganz nett und das Schwimmen im Wasserfall auch ziemlich atemberaubend, aber Darwin und Umgebung hat mich trotzdem nicht vom Hocker gehauen. Das ist viel zu australisch, alles so trocken... Die Ostkueste ist eindeutig mein Lieblingsplatz in diesem Land.

Heute fliege ich nach Singapur. Ich werde bei Markus, dem Neffen von Freunden meiner Eltern, und seiner Familie leben und freue mich schon, ein paar Tage in dieser Riesenstadt zu verbringen, von der ich so viel Gutes von anderen Backpackern gehoert habe. Naechsten Montag komme ich dann schon wieder in Bremen an, das ist in weniger als einer Woche! Ich freue mich total auf zu Hause.
Voraussichtlich schreibe ich hier noch zwei Berichte, bevor mein Reiseblog offiziell beendet wird, einen aus Singapur und eine Zusammenfassung. Danach gehe ich ja wieder zurueck zu meinem Alltag und habe nicht mehr so viele tolle Sachen zu berichten. Irgendwie schade, aber ich finde, dass man das Leben nur vom entsprechenden Blickwinkel aus betrachten muss, um darin ein grosses Abenteuer zu sehen. Wir wissen schliesslich nie so genau, was uns an einem "ganz gewoehnlichen" Tag so erwartet und es kommt darauf an, was wir daraus machen!

Donnerstag, 2. Juli 2009

Das Outback

So langsam komme ich dem Ende naeher, aber bevor ich Australien in 6 Tagen verlasse nehme ich noch all die Erlebnisse mit, von denen die Touristen schwaermen und die Australien ausmachen (obwohl meiner Meinung nach der Charakter eines Landes hauptsaechlich von seinen Menschen bestimmt wird).
Ich habe ein bisschen hin- und herueberlegt, ob ich wirklich ins Nirgendwo fahren soll, schliesslich ist es ein verdammt langer Weg fuer sehr wenige Attraktionen, die man auch alle schon mal auf Postkarten gesehen hat. Weil ich aber durch meine Qantas-Bonusmeilen den Flug von Cairns nach Alice Springs fuer 45 Dollar antreten konnte, entschloss ich mich dafuer und kann jetzt im Nachhinein sagen, dass es eine gute Entscheidung war. Alice Springs ist zwar eine sehr langweilige und gruselige Stadt (bis vor ein paar Jahren die Stadt mit den meisten Messerattacken in der Welt und selbst wenn man bei Tageslicht das ausgetrocknete Flussbett ueberquert, guckt man als vorsichtiger Mensch nicht nach links und rechts und ist froh, wenn man sicher auf der anderen Seite ist), aber ich bin ja auch nicht deswegen hergekommen. Von Montag Morgen bis Mittwoch Abend ging ich mit The Rock Tour auf eine Reise zu den paar Sehenswuerdigkeiten in der Mitte dieses riesigen Landes, wo man in jede Richtung mindestens 1500 Kilometer fahren muss, um die naechste Grossstadt zu erreichen...
Wie gehofft hatte ich eine tolle Zeit und eine weitere einzigartige Reiseerfahrung. Natuerlich sassen wir (21 Leute + Hayley, unsere grossartige Leiterin) viele Stunden im Bus, weil das Outback nun mal durch grosse Distanzen gekennzeichnet ist. Aus dem Fenster gucken ist nicht so eine ideale Ablenkung, denn ausser roter, trockener Erde und trockenen, gruen-grauen Bueschen und Baeumen sieht man stundenlang nichts. Diese Ansicht war vom Flugzeug sehr beeindruckend, wie der dichte Regenwald um Cairns herum in dieses intensive Rot ueberging, dass sich bis zum Horizont erstreckt... Eine trostlose, auf Dauer langweilige, aber auch sehr faszinierende Landschaft - Australien, wie ich es mir vorgestellt habe.
Es war das richtige Outback-Erlebnis: Schlafen in Swags (eine Art Schlafsack aus Zeltstoff) unter Billionen von Sternen, Sonnenunter- und aufgang ueber dem Uluru (Ayers Rock), lange Wanderungen zwischen roten Gesteinsformationen, vier Liter Wasser trinken am Tag und immer wieder erstaunt sein von der Trockenheit. Das Outback wird Wueste genannt, es gibt aber ziemlich viele Pflanzen, nur sind die eben eher braun als gruen...
Ich hatte Glueck und eine supernette Gruppe (unter anderem eine Rike aus Stade ;-)). Das Wetter war perfekt: 20-25 Grad tagsueber, so dass mich die Sonne nicht allzu schwindelig machen konnte, und nachts immerhin noch 5-10 Grad (zu dieser Jahreszeit befinden sich die Temperaturen normalerweise um den Gefrierpunkt). Ich hatte Spass, tolle Fotogelegenheiten und kann jetzt einen weiteren Haken auf meine Erlebnisliste setzen - australisches Outback.

Freitag, 26. Juni 2009

Whitsunday Islands

Von Montag bis Donnerstag habe ich auf dem Boot "Spank Me" (bescheuerter Name, aber was soll's) der Gesellschaft OzSail die Whitsunday Islands umsegelt. Diese 74 Inseln befinden sich an der Ostkueste Australiens zwischen Brisbane und Cairns und bestehen hauptsaechlich aus Bergspitzen von Unterwasserbergen. Natuerlich ist fast alles Nationalpark, ueberwiegend mit dichtem Wald bedeckt und in weissen Straenden ins Meer muendend. Die Inseln sind aber ehrlich gesagt gar nicht so das Highlight - viel aufregender ist es, auf einer 25 Meter langen Segelyacht drei Tage und Naechte auf dem Meer zu sein...
Dieser Trip war einer der Hoehepunkte meines Auslandsjahres. Segeln macht Spass (wobei wir hauptsaechlich gefaulenzt haben), ich mag die Bewegung des Wassers und finde es herrlich, in keiner Richtung Land sehen zu koennen, waehrend ich in der Sonne an Deck liege und lese. Der Sternenhimmel auf dem Meer ist ein einzigartiger Anblick und tagsueber gab es auch so einiges zu schauen: Buckelwale, die ihren tonnenschweren Koerper in einem einzigen Sprung elegant aus dem Wasser heben, kristallklares Wasser, superfeiner Silikonsand am Whitehaven Beach... Die Fotos kommen in drei Wochen, wenn ich wieder zu Hause bin.
Zu diesem einzigartigen Erlebnis kam noch etwas anderes, das ich neu ausprobiert habe: Schnorcheln. Wer meinen Ekel vor Fischen kennt, wird sich jetzt wundern, aber es ist tatsaechlich gar nicht schlecht. So lange die Fische nicht zu gross sind und mir nicht zu nahe kommen und ich durch meinen Neoprenanzug vor Beruehrungen geschuetzt bin, verfalle ich zumindest nicht in Panik angesichts ihrer widerlichen Glubschaugen. Die schillernden Farben sind sogar ganz huebsch! Viel faszinierender fand ich allerdings die Korallen. Obwohl viele von ihnen eher braeunlich sind (manche gebleicht = tot, die meisten sind aber einfach nicht so bunt) und man nur wenige leuchtende Exemplare findet, hat jede eine andere Form und Konsistenz und ich haette sie mir stundenlang angucken koennen, waeren da nicht die Fische gewesen. So war ich jetzt also segeln und schnorcheln am Great Barrier Reef - klingt doch ganz gut fuer den Lebenslauf, oder? ;-)
Apropos Lebenslauf, da habe ich zwei Updates: zum einen habe ich mich entschieden, nicht Fallschirmspringen zu gehen. In Australien ist es einfach viel teurer und so ganz ohne Leute, die ich kenne, finde ich es auch irgendwie unheimlich. Deshalb hebe ich mir dieses Erlebnis fuer meine naechste Neuseeland-Reise auf, die ja hoffentlich nicht in allzu weiter Ferne liegt. Die zweite Neuigkeit ist, dass zumindest zwei meiner Unibewerbungen eingegangen sind (ob vollstaendig ist noch nicht klar, aber immerhin). Offensichtlich lassen sich solche Dinge also doch erfolgreich vom Ausland aus organisieren!

Jetzt bin ich in Cairns, die noerdlichste Grossstadt der Ostkueste. Heute stand hauptsaechlich Entspannung an, weil ich die letzten paar Naechte nicht so viel geschlafen habe (vor allem gestern im Bus war es ziemlich unbequem). Morgen gehe ich auf eine Tour in eine nahe suesse Stadt und am Sonntag fliege ich schon nach Alice Springs! Die Zeit rast. Stefan hat schon seine erste Praktikumswoche hinter sich und Teresa faehrt in zwei Tagen nach Hause... Ich vermisse ein paar Leute zum verrueckt werden (je naeher ich der Heimkehr ruecke, umso mehr fehlen mir meine Neuseelaender), aber geniesse trotzdem alles total. Ist auch schwer, das bei 27 Grad und Sonnenschein nicht zu tun!

Samstag, 20. Juni 2009

Summertime

Die Umstellung von Winter auf Sommer ist gar nicht schwer - wer braucht schon Uebergangszeiten?!
Genau wie im titelgebenden Lied ist eigentlich alles ganz toll, aber trotzdem rutsche ich zwischendurch immer wieder in die Melancholie ab (zwischen Melancholie und Depression besteht ein grosser Unterschied!). Weil ich aber eh nichts anderes erwartet habe, bin ich trotzdem ganz zufrieden. Den Herzschmerz kann ich natuerlich nicht ignorieren, aber ich kann ihn ein bisschen unterdruecken und aufschieben, bis ich wieder bei vertrauten Menschen bin, die mich troesten koennen. Telefonate, emails, facebook-Nachrichten und SMS helfen auch sehr und ich bin dankbar fuer diese vielfaeltigen Kommunikationsmoeglichkeiten.
Seit Mittwoch bin ich in Agnes Water, das ich heute Abend in Richtung Airlie Beach verlassen werde. Es ist traumhaft hier! "Cool Bananas" ist das ultimative Entspannungshostel mit Palmen im Hof, Sonnenstuehlen und einem riesigen Wohnzimmer mit Holzfussboden und 100 DVDs. Viel hier bin ich aber nicht, denn der Sandstrand ist nur 5 Minuten entfernt und ich koste es aus, dass ich endlich wieder Sonnenschein und Waerme habe. Gestern habe ich einen Surfkurs gemacht und festgestellt, dass ich es auf einmal einigermassen kann und es dann viel mehr Spass macht, als wenn man nur alle 20 Minuten mal eine Welle kriegt. Das war dann aber auch genug Aktivitaet, denn diese Umgebung laedt so sehr zum Entspannen ein, dass ich einfach nicht wiederstehen kann. "A lineage of Grace" lesen, "Harry Potter and the goblet of fire" hoeren, das guenstige, von franzoesischen Hostelkoch zubereitete Essen essen und mir die Sonne aufs Gesicht scheinen lassen, das waren so ziemlich meine Hauptaktivitaeten in den letzten zwei Tagen. Heute werde ich komplett am Strand verbringen und hoffe, dass mich die Waerme muede genug macht, um heute Nacht im Bus etwas schlafen zu koennen.
All das ist schon ziemlich toll. Ein paar nette Leute gibt es hier auch, zwar keine potentiellen Freunde, aber zu viel emotionale Naehe koennte ich im Moment eh nicht ab. Also alles gut und mir geht es auch recht gut. Ich habe zwischendurch sogar richtige Gluecksmomente, in denen alles fast perfekt ist. So soll es sein, denn ich habe mir fest vorgenommen, das naechste Jahr genauso zu geniessen wie das vergangene. Die melancholischen Momente haben ja auch etwas Gutes: sie zeigen mir, was fuer eine unglaubliche Zeit ich in Neuseeland verbracht habe und wie viel Glueck ich hatte, am anderen Ende der Welt so viel Froehlichkeit, Freundschaft und Liebe zu finden.

Dienstag, 16. Juni 2009

Nicht mehr ganz so gluecklich

Mit meinen Bussen und Fluegen gestern hat alles absolut reibungslos geklappt und ich bin nach einem langen Reisetag gestern Nacht in Australien angekommen, der erste Stopp auf meiner Tour: Brisbane.
Brisbane ist eine grosse Stadt, und obwohl ich nicht im "Stadtfeeling" bin mag ich grosse Staedte. Es ist herrlich, wieder in der Waerme zu sein, denn obwohl die Einwohner teilweise in Wintermaenteln rumlaufen ist 21 Grad fuer mich nach Neuseelands Frost absoluter Hochsommer. So sonnte ich mich heute Vormittag erstmal eine Weile im Park und hatte eine gute Zeit, vor allem dank der Begegnung mit zwei amerikanischen Maedchen, die mit ihrer Christian Group hier fuer ein paar Wochen Missionsarbeit machten und einfach unglaublich nett sind. Mein Nachmittag bekam einen Daempfer aufgesetzt, weil der Zoom meines Kamera-Objektives kaputt ist und ich das jetzt teuer reparieren lassen muss, aber immerhin hatte das keinen Panikanfall zur Folge, wie es noch vor einem halben Jahr der Fall gewesen waere. Alles eigentlich gut. Meine Telefonkarte funktioniert, ich habe Essen fuer die naechsten paar Tage, das ueberteuerte, volle und stickige Hostel (typisch Grossstadt) laesst sich ertragen und morgen geht es auf einen 8-stuendigen Bustrip nach Agnes Water/ Town of 1770, ein Miniort, der ideal zum surfen, baden und relaxen ist. Klingt wie ein Traum - ich gebe mir auch alle Muehe es zu geniessen und groesstenteils klappt es.
Das Problem ist nur, dass ich die Haelfte meines Herzens in Neuseeland zurueck gelassen habe. Meine zweite Heimat, in der ich einige gute Freunde und den tollsten Mann der Welt gefunden habe... So sehr ich mich nach wie vor auf zu Hause freue, so sehr wuensche ich mich wieder dorthin zurueck, trotz Kaelte und Regen. Hier, wo ich pausenlos von anderen Leuten umgeben bin und die Gegend entdecken will kann ich natuerlich auch nicht vernuenftig "leiden". Von wegen seine Ruhe haben, laut Musik hoeren und heulen... Vielleicht hat das aber auch etwas Gutes, denn so kann ich mir das Trauern aufschieben, bis ich wieder von Familie und Freunden umgeben sind, die mich troesten koennen. Der Schmerz ist aber trotzdem da und trotz all der Ablenkung kann ich ihn manchmal nicht ignorieren.
Zum Glueck bin ich nicht alleine, weil Gott jetzt an meiner Seite ist. Das hilft mir sehr, und die Aussicht auf eine lange Fahrradtour durch Skandinavien mit einer gewissen Person naechsten Sommer hilft auch. Morgen entkomme ich dem Stadtleben - ich liebe es, aber in einer hektischen, unpersoenlichen Metropole fuehlt man sich eben viel einsamer als an einem menschenleeren Strand. Meine Hoffnungen liegen beim Sonnenschein und einem kleinen suessen Hostel voller hoffentlich nett-verrueckter Menschen. Traurig sein ist okay, aber davon lasse ich mir meine Zeit auf keinen Fall verderben.
Uebrigens ist meine neuseelaendische Handynummer natuerlich nicht mehr gueltig, es gilt wieder die australische. Falls mir jemand an die angegebenen Poste Restante Adressen geschrieben hat/ schreibt waere es gut mir das mitzuteilen, weil ich sonst gar nicht erst zur Post gehe. Aber wer braucht schon Kontaktdaten - in weniger als vier Wochen bin ich wieder da!

Montag, 8. Juni 2009

...und einfach immer noch gluecklich.

In einer Woche befinde ich mich irgendwo in der Luft zwischen Sydney und Brisbane und trotzdem bin ich immer noch nicht traurig. Im Gegenteil, ich freue mich auf alles was kommt. Die Hostels und Touren sind teilweise schon gebucht und auch wenn ich mich immer noch zu viel stresse fuer meinen Geschmack scheint mit meiner Rumreise in Australien alles zu klappen. Obwohl ich zur Zeit kaum noch Emails beantworte sind meine Freunde und Familie oefter in meinen Gedanken als in den ganzen letzten 10 Monaten - es wird Zeit, wieder nach Hause zu kommen. Ich hatte eine unglaubliche Zeit, aber irgendwann reicht es eben auch.
Nicht dass ich sofort nach Hause will, oh nein! Jeder Tag an den Straenden von Queensland wird ausgekostet werden und auch diese kommende Woche haelt noch viel Schoenes bereit. Natuerlich auch ein paar traurige Sachen: Cristelle faehrt morgen schon fuer die Ferien nach Hause und wir hatten heute unseren letzten Nachmittag mit Photosession, Kakao und Diskussionen ueber Gott. Von meinen herzallerliebsten Menschen musste ich mich schon vor einer Woche verabschieden: Kirsty und Glen, Inger, Wim, Sanne und Ralph. Das war seltsam, aber es fiel mir schwer es als Abschied zu sehen, weil ich eben nur mit dem Bus weggefahren bin, anstatt in ein Flugzeug zu steigen. Ausserdem breche ich ja laut Kirsty nur zu "langen Ferien" auf und werde in 2-3 Jahren wieder hier sein. Genau wie die BYH-Menschen schon Plaene spinnen, dass wir dann wenn ich wieder hier bin eine Art Klassentreffen mit allen Leuten aus den Hostels machen... Ich bezweifle zwar, dass mir der Abschied von Stefan auch so leicht fallen wird, aber darueber denke ich jetzt noch nicht nach.
Ich habe ein echtes Talent dafuer entwickelt, mich auf die positiven Dinge zu konzentrieren. Gerade in der letzten Woche habe ich einfach staendig gemerkt, dass Gott bei mir ist und mir hilft, meine Zeit zu geniessen. Trotz der eisigen Temperaturen scheint seit einer Woche die Sonne, ich muss fast gar nicht mehr arbeiten und Dinge wie Steuererklaerung, Planungsstress und Packstrategien verblassen gegen das Essengehen mit Stef, den Maedelsabend mit den MUCF-Maedchen und die Prayer-Meetings mit Cristelle, Jess und Roxanne. Also um es kurz zu fassen (der Computer ist ja nur geliehen und es wartet mein warmes Bett und "Twilight" auf mich): mir geht es gut. Dabei ist das noch eine Untertreibung, aber es gibt eben kein deutsches Wort fuer "Grace", die Ursache fuer all das.

Ich habe uebrigens auch nach einer Ewigkeit mal wieder ein paar schoene Fotos hochgeladen, wie immer hier.
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